Protest an höchster Stelle
Gerecht geht anders auf dem Karwendel
Mit der Seilbahn zur Demonstration? Warum nicht. Am Sonntag, dem 19. September, machten sich in Mittenwald bei Garmisch-Partenkirchen rund 50 ver.di-Mitglieder und Nicht-Mitglieder mit der Gondel auf den Weg, zunächst auf 2.244 Meter Höhe hinauf ins Karwendelrestaurant.
Der ver.di-Ortsverein Garmisch-Partenkirchen hatte unter dem Motto der ver.di-Kampagne "Gerecht geht anders!" auf den Karwendel eingeladen, neben der Zugspitze einer der größten Berge in Oberbayern. Damit es gerecht zugeht, muss man eben manchmal andere Wege gehen, auch andere Wege des Protests. Einen besonders scharfen Missstand rund um Garmisch-Partenkirchen stellt die Rente dar: Hier geht ein Arbeitnehmer durchschnittlich mit circa 590 Euro in Rente. Im bundesweiten Vergleich liegt die Region damit an vorletzter Stelle. Hintergrund sind die häufig prekären Arbeitsverhältnisse im Tourismus. Die Diskussion der Bundesregierung über die Rente mit 67 wird deshalb am Fuße des Karwendels als Zumutung empfunden: Die Menschen bekommen immer weniger Rente und sollen gleichzeitig immer länger arbeiten.
Und auch in den Kommunen wird gestöhnt: In mehreren bayerischen Orten soll beispielsweise der Winterdienst eingestellt werden. Jutta Aumüller, für ver.di im Aufsichtsrat eines privatisierten Krankenhauses, berichtete von katastrophalen Arbeitsbedingungen in Krankenhäusern und Altenheimen der Region. Leiharbeit und schlechte Bezahlung seien gang und gäbe. Krankenhauskonzerne wie Asklepios machten Millionen Euro Gewinne, während sie die Beschäftigten entließen. Aumüllers Appell war eindeutig: Krankenhäuser und Altenheime gehören in die öffentliche Hand und der Protest auf die Straße, beziehungsweise auf den Berg. Und so marschierte die Gruppe über Stock und Stein auf die Spitze des Karwendels. Ausgerüstet mit ver.di-Fahnen, Plakaten und Absperrband ging es hoch auf 2.700 Meter. Viele Wanderer blieben erstaunt stehen, zu ungewohnt schien der Anblick von politischem Protest auf dem Berg. Einige ver.dianer waren sich einig, dass man so nah wie möglich an die 3.000er-Marke herankommen muss und kletterten noch ein Stück höher.
Geht’s noch höher? In den Aktionswochen ab dem 24.Oktober wird es sich zeigen, wie hoch die ver.dianer den Protest treiben.