Rente mit 67


Ein Rentenkürzungsprogramm

Schon heute schaffen es viele Menschen nicht, bis zu ihrem 65. Lebensjahr zu arbeiten. Weil sie krank, weil sie erschöpft sind. Dennoch will die Bundesregierung daran festhalten, dass die Menschen in Zukunft erst mit 67 Jahren in Rente gehen dürfen. Zunächst steht jedoch noch eine Prüfung an.

Laut der so genannten Überprüfungsklausel muss die Bundesregierung in diesem Jahr erstmals prüfen und darlegen, ob die Voraussetzungen für eine "Rente mit 67" überhaupt gegeben sind. Das heißt zweierlei: Der Gesetzgeber muss zum einen überprüfen, ob die älteren Menschen  Arbeitsplätze in ausreichender Zahl gefunden haben. Zum anderen muss er überprüfen, ob es die soziale Lage der älteren Menschen zulässt, bis 67 arbeiten zu müssen.

Die Zahlen sind eindeutig, 55- bis 64-Jährige haben nach wie vor schlechtere Chancen am Arbeitsmarkt als Jüngere:

 

  • Ältere sind häufiger arbeitslos.
  • Ältere haben schlechtere Chancen auf Wiedereingliederung.
  • Ältere haben noch schlechtere Chancen, wenn sie gering qualifiziert oder gesundheitlich beeinträchtigt sind.
  • 60 Prozent der deutschen Betriebe beschäftigen laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) keine Menschen über 50. Zwar stieg die Beschäftigungsquote in Deutschland bis 2007 in keiner Altersgruppe so stark wie bei den 55- bis 64-Jährigen. Aber ein Drittel findet laut Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) nur noch eine geringfügige und damit sozial nicht abgesicherte Beschäftigung.
  • Und: Es müssten bis zu drei Millionen sozialversicherungspflichtige Jobs entstehen, damit alle bis 67 Jahre arbeiten können.

 

Die Bundesregierung kümmern diese Fakten nicht. Sie will zwar die Überprüfungsklausel ernst nehmen, macht aber klar, dass sie – komme was da wolle – an der Anhebung des Renteneintrittsalters festhalten will. Nur so sei die demografische Entwicklung im Rentensystem aufzuhalten. Viele Menschen müssen aufgrund gesundheitlicher Beeinträchtigungen frühzeitig in Rente gehen. Das durchschnittliche Alter, in dem Menschen im Jahr 2008 ihre Altersrente beantragten, lag bei etwa 63 Jahren. Nur jede/r zehnte Beschäftigte in Deutschland arbeitet heute bis zu seinem 65. Lebensjahr.

Gehen Menschen aufgrund gesundheitlicher Beeinträchtigungen früher in Rente, müssen sie eine so genannte Erwerbsminderungsrente beantragen. Diese Form des Rentenbezuges erhalten Ältere nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung Bund im Schnitt bereits mit 50 Jahren. Denn Arbeit kann krank machen – vor allem diejenigen, die jahrelang körperlich schwere Arbeit verrichten müssen, die in Wechselschichten arbeiten oder in ihrem Beruf unter hoher psychischer Belastung stehen. Sie vor allem sind die großen Verlierer dieser "Rentenreform".

Ein Rentenkürzungsprogramm

ver.di-Vorsitzender Frank Bsirske bringt es auf den Punkt: "Das ist ein Rentenkürzungsprogramm, aber eines, das bedeutet, dass die heute 20- bis 25-Jährigen in Zukunft als Durchschnittsverdienende 35 Beitragsjahre brauchen, um in der gesetzlichen Rente auf Hartz-IV-Niveau zu kommen. Unter 2.000 Euro brutto liegen Millionen Kolleginnen und Kollegen. Da geht es um Altersarmut, und das ist keine demografische Zeitbombe, sondern das ist eine soziale Zeitbombe, die uns als Gewerkschaften und als Vertretung der Arbeitnehmerinteressen auf den Plan rufen muss." Denn:

 

Gerecht geht anders